Die Chronik des "Dicken Heinrich"

Das Restaurant Zum Dicken Heinrich kann auf eine lange Tradition zurückblicken.
Lernen Sie hier die wichtigsten Daten in unserer Historie kennen.

Schlachter, Viehhändler und Heiratsvermittler

heinrich-dressler„Angefangen hat alles mit meinem Urgroßvater Heinrich Dressler, so erzählt Gudrun Parno, die mit ihrem Mann Rolf vor 26 Jahren den Betrieb übernahm. Der 1861 geborene Heinrich Dressler war eigentlich gelernter Maurer. Da es zur damaligen Zeit nicht in jedem Ort einen fest angesiedelten Schlachter gab, übernahm diese Aufgabe meist jemand ’nebenberuflich‘. So zog auch Heinrich (der erste) Dressler von Haus zu Haus und schlachtete und wurstete für die Leute. Als Hobby betrieb er nebenbei noch den Viehhandel und spielte – vielseitig, wie er nun mal war – als Heiratsvermittler Schicksal.
So manches Pärchen soll er zusammengeführt haben.

Die erste Schlachterei in Lüdersfeld

Seinen Sohn, auch der hieß Heinrich, zog es vom Land aufs Meer. Bereits als 14-jähriger heuerte er auf einem Heringslogger an. Im Ersten Weltkrieg diente er in der Marine, war Schiffskoch auf dem Schlachtschiff „Göben“, das im Mittelmeerraum kreuzte. Damals prägte sich bei meinem Großvater der Wunsch, einmal ein eigenes Wirtshaus aufzumachen.

In den Hungerjahren nach dem Krieg verdingte Heinrich sich als Bergmann, Maurer und Schlachter, das hatte er schließlich vom Vater gelernt. Der betrieb übrigens immer noch den Viehhandel und bestärkte seinen Sohn darin, die Rind- und Schweineschlachterei in Lüdersfeld zu gründen. Heinrichs Frau war als Tochter eines Viehhändlers sozusagen „vom Fach“.

Anfangs machte er gute Geschäfte mit einem offenen Verkaufsstand auf dem hannoverschen Klagesmarkt, später in der Markthalle. Damals mussten die Waren noch in Kiepen auf der Bahn transportiert werden. Im Kreisgebiet richtete er so manche Bauernhochzeit mit bis zu 500 Personen aus. In den 30er Jahren zahlte Heinrich Dressler zu den „Schwergewichten“ im Lande. Immerhin soll er einmal zusammen mit zwei anderen Schlachtern 500 Kilo auf die Waage gebracht haben.

Zu Fuß von der Donau ins Schaumburger Land

„Sein einziger Sohn, Heinrich der Dritte, war mein Vater, erlernte im väterlichen Betrieb den Fleischerberuf.“ Allerdings kam der Krieg dazwischen und er wurde ins Fleischer- und Wirtschaftsbataillon eingezogen, wo er zeitweise in der Kompanieküche Dienst tat. Die Kriegswirren brachten ihn weit von daheim fort. Nach der Kapitulation 1945 wanderte Heinrich zu Fuß von Krems an der Donau nach Lüdersfelde zurück. Hier heiratete er 1950 die Bäckerstochter Waltraud Rickenberg, legte zwei Jahre später die Meisterprüfung ab und machte sich als Fleischer in Kirchhorsten selbstständig. Als 1956 sein Vater starb, kehrte der nach Lüdersfeld zurück und baute den Betrieb zu einer großen Landschlachterei aus. Am 1. April 1960 machte er den Traum seines Vaters wahr und richtete eine Restauration ein. Zunächst eine kleine Frühstücksstube, in der die vielen Bergleute ihren Imbiss nahmen. Da der Wirt inzwischen reichlich an Leibesfülle gewonnen hatte, lag es nahe, „Zum dicken Heinrich“ auf das Aushängeschild zu schreiben.

Von der Frühstücksstube zum beliebten Ausflugsziel

Es sprach sich schnell herum, wie gut, reichlich und preiswert man hier essen konnte. Und so kam es, dass auch viele Um- und Erweiterungsbauten die heutige Größe des Betriebs entstand: Gaststätte, Restaurant, Grillraum, Saal und Kegelbahn bieten 300 Gästen Platz.
1979 wurde die Fleischerei nach Lindhorst verlegt. Mit Laden und Party-Service wurde sie von Heinrich (dem Vierten) Dressler geführt. Die Tochter Heinrichs des Dritten und ihr Mann Rolf Parno übernahmen 1985 den „Dicken Heinrich“.
Rolf hatte im Juli 1972 bei meinem Vater angefangen, erinnert Gudrun Parno sich. 1976 legte er die Prüfung als Betriebswirt im Hotel- und Gaststättengewerbe ab und machte ein Jahr später die Küchenmeisterprüfung in Hannover. Ich selbst lernte Köchin und Restaurantfachfrau. 1983 bestand ich mit gutem Erfolg die Prüfung zur Serviermeisterin.

Das 25. Gaststättenjubiläum am 1. April 1985 erlebte Heinrich der Dritte noch, bevor er – viel zu früh – am 28. desselben Monats verstarb.
Gudrun und Rolf Parnos Speiselokal ist heute ein weit bekannter Anziehungspunkt für alle, die auf gutbürgerliche Kost Wert legen.

Seit einigen Jahren gehört auch „Heinrichs Gästehof“, der vis-à-vis gelegene ausgebaute ehemalige Posmeiersche Bauernhof, zum Unternehmen.

Beide Kinder sind im Betrieb tätig

familie-parnoDer Sohn Martin (32 Jahre) erlernte den Kochberuf. Er qualifizierte sich bei mehreren Wettbewerben und war als Koch in Hamburg und in den USA. 2005 legte er seine Meisterprüfung vor der IHK Hannover ab und ist heute Küchenchef.

Den Beruf der Hotelfachfrau lernte die Tochter Kerstin (31 Jahre) und nahm anschließend an mehreren Gastronomiemeisterschaften teil. Sie besuchte die Hotelfachschule in Stadthagen und wurde 2005 dort jahrgangsbeste Hotelbetriebswirtin. Danach war sie in mehreren Steakhäusern in Berlin und Norddeutschland tätig.

Ab Oktober 2006 ist sie wieder im elterlichen Betrieb für das Hotel und den Service zuständig.